Lernen lernen – das braucht es nur, weil Lernen verlernt wird

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nach Montessori lernen, statt Lernen lernen

Lernen lernen braucht es nicht – wir kommen lernend auf die Welt

Kinder lernen. Kinder lernen so viel. Kinder lernen so schnell. Kinder lernen so selbstverständlich. Niemand muss ihnen das Lernen lernen.

Wo Lernen seinen Ursprung hat

Schon vor unserer Geburt lernen wir ganz viel, Eindrücke, Gefühle, Bewegung, Geräusche, Geschmäcker. Nach der Geburt geht es rasant weiter. Noch mehr Eindrücke. Viele Vorbilder. Wir lernen, dass wir etwas bewirken können. Niemand unterrichtet uns in Strampeln, Greifen, Lächeln, Lallen, Laute bilden, Robben, Krabbeln, Worte formen und so viel mehr. Wir machen es einfach. Wir machen es auch, weil es unsere Umwelt freut. Nicht mit Absicht, aber weil wir Beziehung und Liebe dafür bekommen. Weil es uns Freude macht, Neues auszuprobieren, weil wir neugierig sind, Neues zu entdecken. Weil es uns stolz macht, dass wir etwas bewirken können. Dass unsere Aktionen zu Re-Aktionen führen.

Eltern stellen ihren Kindern Möglichkeiten bereit, bewusst oder unbewusst, an denen sie lernen können. Die Spielgruppe, die Krippe, der Kindergarten gestalten eine Umgebung, die sie entdecken, erworbene und angelegte Fähigkeiten erweitern und verfeinern lässt.

Kinder lernen meist unbewusst, mit zunehmendem Alter und bewusster werdendem Willen auch zielgerichtet, weil sie etwas können, auch machen wollen. Weil sie Kompetenzen verfeinern und perfektionieren wollen.

Lernen ist in uns angelegt. Wir können gar nicht anders. Das geht unser Leben lang so weiter und heute gewinnt es mehr und mehr an Bedeutung. Lebenslanges Lernen. Der Begriff wird heute vor allem kognitiv eingesetzt. Doch lernen beinhaltet mehr, als kognitives Wissen und berufs- bzw. erwerbsdienende Fähigkeiten zu erweitern.

Wann unser natürliches Lernen verloren geht

Diese ursprüngliche Freude und Selbstverständlichkeit des Lernens wird meist in der Schulzeit unterbrochen. Oft passiert das schon zu Beginn der Schule. Lernen nach Lehrplan. Da steht jemand und sagt, was wann zu lernen ist. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ob das zum inneren Bauplan passt, von dem Maria Montessori ausgeht, der in jedem Menschen angelegt ist und zu seiner persönlichen Entfaltung beiträgt, danach fragt in der Schule niemand. Dort gilt die Maxime, dass alle das Gleiche zum gleichen Zeitpunkt und in der gleichen Zeit lernen sollen. Das heißt dann Chancengleichheit.

Ich bin begeisterte Montessori-Pädagogin und LernCoach. Nach vielen Arbeitsjahren im Vorschulbereich und in der Grundschule habe ich selbst auch eine Montessori-Schule gegründet. Denn über Jahre all diese Jahre habe ich erlebt, wie die Kinder von der natürlichen Art des Lernens in den Montessori-Einrichtungen und der Wertschätzung der individuellen Entwicklung profitieren.

Seit einigen Jahren unterstütze ich Schüler, Studenten sowie Erwachsene als LernCoach. Klick um zu Tweeten

Meist wenden sich Eltern an mich, weil sie erleben, wie das aufgeweckte Lernen ihres Kindes verschwindet und selbst das Auswendiglernen des vorgegebenen Stoffes nicht nachhaltig aufgenommen wird. Sie vermuten, innere Blockaden oder unpassende Lernwege, die die Lernerfolge ihrer Kinder verhindern.

Wie das Lernen wieder erlernt werden kann

Im LernCoaching sehe ich immer wieder, wie Kinder und Jugendliche darunter leiden, wenn Konkurrenzkampf statt Teamwork, Druck und Vorgaben statt freier Entscheidung, Gleichschritt statt individueller Lerntempi und Lehrplanvorgaben statt echtem Interesse den Alltag regieren. Unser Schulsystem, so wie es derzeit ist, engt alle Beteiligten ein und verhindert geradezu nachhaltiges Lernen. Auch wird auf individuelle Lernarten keine Rücksicht genommen.

„Das Kind begreift durch eigene Aktivität, indem es die Kultur aus seiner Umgebung und nicht vom Lehrer übernimmt.“ – Maria Montessori

 

Dann lege ich erst einmal wieder den Glauben und das Vertrauen an sich selbst frei. Die Erinnerung an bereits gemachte Lernerfolge. Das ist manchmal gar nicht so leicht, denn die Misserfolge und Aussagen von Lehrern sitzen oft tief.

Severin z. B. war davon überzeugt, dass Mathematik absolut nicht sein Fach sei. Naja, es muss ja nicht jeder Einstein sein. Doch zu Beginn seiner Gymnasialzeit war er ziemlich gut. Irgendwann kam ein Knick. Ein, zwei schlechte Noten, unpassende Kommentare von Mitschülern und Lehrer zur falschen Zeit und von zu Hause der Druck, dass er eben mehr lernen und weniger Zeit auf der Straße verbringen solle. Dabei fährt er leidenschaftlich gerne Skateboard. Doch der weitgehende Verzicht darauf und mehr zeitlicher Lerninvest brachten keine besseren Noten. Im Gegenteil, denn inzwischen konnte er beim Skaten ja nicht mal mehr auftanken und Selbstbewusstsein spüren.

Ich fragte ihn einfach, wie er zum Skaten kam und wie er es schaffte zu fahren, Tricks zu erlernen und zu stehen, motiviert dran zu bleiben und Neues anzugehen. Ich wollte seine Lernstrategie erkennen, also fragte ich in einem Bereich, der funktionierte. Mühsam kam ich dran. Wenn Lernen lustvoll, motiviert und automatisch passiert, können wir oft nicht erklären, wie wir das genau machen. Er erzählte, ich hörte aufmerksam zu, fragte nach und kombinierte, bis ich ihm letztendlich erklären konnte, WIE er lernt. Er war erstaunt und konnte jedoch alles nachvollziehen. Nun mussten wir „nur“ noch überlegen, wie sich diese Erfolgsstrategie auf Mathe übertragen lässt. Wir fanden einen Weg und er leuchtete Severin ein. Er wandte sie an, blieb dran, auch wenn es zunächst ungewohnt war, denn er war das schnelle Aufgeben gewöhnt. Und er hatte Erfolg. Zumindest soweit, dass Mathe ungefährlich wurde. Somit musste er nicht wirklich das Lernen lernen, sondern zu SEINEM Lernen zurückfinden und sich selbst vertrauen. Sich auch trauen, SO zu lernen.

Es gibt noch mehr als das Lernen in der Schule

Es ist so schade, dass die Fähigkeiten und Stärken der Kinder und Jugendlichen in der Schule keine Beachtung finden, nicht einbezogen werden. Es wäre so leicht, gleich so zu arbeiten, bevor eine Blockade entsteht. Individuelles Lernen, auch interessengerecht könnte das ursprüngliche Lernverhalten des Kleinkindes aufrecht erhalten.

Martina, erfolglos, Lehrer wundern sich, Noteneinbrüche, sozial, aufgeschlossen, vielseitig interessiert glaubt nicht mehr an sich selbst… Erfolgserlebnis würde helfen, doch wie, wenn sie nicht an sich glaubt? Eltern geben keinen Halt, sind gerade mit eigenen Themen beschäftigt, der große Bruder bindet Aufmerksamkeit, da er kurz vor seinem Schulabschluss steht.

Wie kann sie es schaffen, wieder an sich zu glauben? Ich frage sie nach ihren Fähigkeiten, sie zählt mir ein paar wenige auf. Ich frage, was wohl ihre Eltern, Großeltern, Lehrer, Freunde, Verwandten, ect. sagen würden. Es kommen noch ein paar mehr Fähigkeiten zusammen. Ihr Gesicht, ihre Körperhaltung verändern sich schon. Mit einer Übung lasse ich sie ihre Fähigkeiten noch stärker wahrnehmen, richtig auftanken. Das gibt ihr Kraft. Ihre Körperhaltung gewinnt deutlich an Stärke und Präsenz. So gestärkt mit dem Glauben an sich selbst, kann sie wieder anders an Klausuren und Prüfungen herangehen.

So kann sie sich vorstellen, wieder auf ihr gesamtes Wissen zugreifen zu können. Klick um zu Tweeten

LernCoaching ist keine Zauberei und kein Allheilmittel, es erfordert auch immer das Wollen des Coachees. Wer es selbst einmal ausprobieren möchte, schaut sich einfach hier auf meinem Lernblog um. In den verschiedenen Themenbereichen gibt es viele Anregungen, LernCoaching selbst umzusetzen. Meine Unterstützung ist natürlich auch buchbar. 😉

Brauchen wir Menschen, die stur lernen, was sie lernen sollen?

In den LernCoachings fällt mir immer wieder auf, dass manche Schüler in ihrem Verhalten und Wesen sehr klar sind. Sie hinterfragen Aufträge und Situationen, sie passen sich nicht einfach einem System an, nur weil es so ist. Sie wollen nicht blind auswendig lernen, sie wollen wissen, warum und wozu sie etwas lernen sollen. Für diese Schüler bin ich sehr dankbar. Ich denke, wir brauchen in unserer Gesellschaft keinen blinden Ausführer, sondern Menschen, die denken und kritisch hinterfragen. Doch sie haben genau in unserem Schulsystem oft Schwierigkeiten. Ihr Potential und ihre Fähigkeiten können sich nicht entfalten, weil sie sich im Widerstand befinden. Ihre Sichtweise wird nicht wahrgenommen oder verstanden, daher müssen sie dafür kämpfen. Ihnen gebe ich meinerseits erst einmal viel Wertschätzung und erkläre ihnen die Dynamik. Dann kann ich sie bewegen, aus dem Widerstand zu gehen, das Spiel „mitzuspielen“ ohne sich selbst aufzugeben.

Diese Schüler haben alle eines gemeinsam: Sie haben ein starkes Selbstbewusstsein und eine stabile Basis aus ihrem Elternhaus. Sie wurden in ihren Bedürfnissen und Meinungen ernst genommen und nicht selten haben sie erlebt, dass sie in ihrem Tempo und nach ihren Vorlieben lernen durften. Nicht selten haben diese Kinder eine Montessori-Einrichtung besucht. Kinder, die mit den Ideen der Montessori-Pädagogik aufwachsen durften ergreifen oft kreative Berufe. Sie sind später sehr flexibel und selbstständig im Denken und Handeln und Probleme sind für sie nur Herausforderungen, die genommen werden wollen. Lösungen werden gefunden, statt Probleme zu suchen. In Berlin habe ich während einer Tagung einen ehemaligen Montessori-Schüler kennen lernen dürfen, der einen sehr unkonventionellen und innovativen Weg für sich eingeschlagen hat.

Statt stur fürs Abitur zu lernen, hat er eben hinterfragt, was das Abitur an sich für ihn bringt. Klick um zu Tweeten

Er kam zum Ergebnis, dass er nicht studieren möchte, also brauche er auch kein Abitur. Punkt. Ende. Er hat die Schule verlassen. „Aber das geht doch nicht! Er kann doch nicht wissen, ob er das nicht einmal bereue….“ Ich höre diese Bedenken schon ganz laut. Na und! Braucht er es doch einmal, kann er es nachholen. Wir wissen heute doch nicht, welche Berufe unsere Kinder einmal ausüben werden. Schon heute gibt es Berufsfelder, die wir uns vor zehn oder fünfzehn Jahren nicht einmal vorstellen konnten. Unsere Kinder brauchen Kompetenzen mit denen sie kreativ mit den Herausforderungen des Alltags und der Zukunft (Ressourcen, Ernährung, Bevölkerungswachstum, Automatisierung…) umgehen können. Dass es dazu Wissen braucht, streite ich nicht ab. Doch sicher kein statisch auswendig gelerntes Wissen.

Bei vielen Schülern im LernCoaching wünschte ich mir, dass sie mehr an sich glaubten, dass sie mehr hinterfragten, dass sie sich mehr trauten, Herausforderungen anzugehen, statt in problematischen Situationen aufzugeben. Diese Fähigkeiten kann ich nämlich im LernCoaching nicht ausgleichen.

Warum Lernen lernen nicht funktioniert!

In vielen weiterführenden Schulen gibt es das Projekt „Lernen lernen“. Es ist oftmals ein schönes Alibi, etwas für die SchülerInnen zu tun. Nicht selten höre ich von Schülern, dass die zwei oder vier Stunden theoretisch erklärt wurde, wie sie lernen können. Selbst wenn sie es praktisch üben würden, ist es von 10-,11-, auch 12Jährigen zu viel verlangt, sich das alles zu merken und anzuwenden. Zumal es oft im Unterricht nicht erlaubt ist, da ein bestimmter Weg vorgegeben wird, den der Lehrer als „richtig“ erachtet. Manche Wege brauchen auch mehr Zeit, die es nicht gibt. Und zu Hause werden andere Methoden oft vergessen. Hausaufgaben werden so schnell wie möglich abgearbeitet…

Mein einziges Lernen lernen-Projekt habe ich sehr schnell in die Tonne geklopft und lieber andere Dinge mit den Kindern gemacht. Eine Schülerin in der Gruppe sagte mir sogar ins Gesicht, dass Lernen lernen hier ja wohl nichts nütze, sie seien als Mittelschüler doch sowieso doof und zu blöd zum Lernen. – Ich war wie gelähmt. Muss ein Kind soetwas von sich glauben?

Verabschieden wir uns davon, zu glauben, dass wir wüssten, was für unsere Kinder gut ist! Gehen wir einfach achtsam den Weg mit ihnen, begleiten sie wohlwollend wenn die Wellen hochschlagen und stehen ihnen unterstützend und ermunternd bei. Impulse dazu finden Sie in meinem Buch „MUT – Impulse für mehr Mut in der Erziehung“, das im my-Show-Verlag erschienen ist und im Herbst sogar als Hörbuch erscheint.

 

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