Es gibt nicht nur eine Sichtweise bei einem Konflikt

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Über die Sichtweise bei Konflikten

Warum es sich lohnt, bei einem Konflikt die Sichtweise zu ändern

 

Eine Münze hat zwei Seiten und einen Rand. Ein Buch hat einen Buchdeckel, eine Rückseite, einen Buchrücken und viele Seiten dazwischen. Hast du schon einmal einen Stein aus verschiedenen Perspektiven betrachtet? Von oben, von unten, von allen Seiten, auch mal schräg? Es ist überraschend, wie verschieden die Dinge aussehen, wenn man mal den Blickwinkel und die Sichtweise ändert…

Stein Sichtweise 1        Stein Sichtweise 2

Stein Sichtweise 3        Stein Sichtweise 4

Das funktioniert übrigens bei Konflikten ebenso hervorragend. Wie das geht und was es bewirken kann beschreibe ich im Folgenden…

 

Die eigene Sichtweise ist immer einseitig

Alles, was wir wahrnehmen ist subjektiv. Es wird gefiltert und bewertet durch unsere Gedanken, Erfahrungen und Erwartungen. Hast du an Silvester schon einmal Blei gegossen? Dabei entstehen doch so ganz eigenartige Formen, die man dann erkennen soll, um nachzulesen, was sie bedeuten. Je mehr Leute sich diese Form ansehen, umso mehr Vorschläge, was es sein könnte, kommen. Jeder sieht etwas anderes darin. Das ist doch spannend, oder?

Lässt du bei einem Konflikt nur deine Sichtweise zu, wirst du ihn nicht lösen können. Klick um zu Tweeten

 

Machst du dir die Mühe, den Konflikt auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, gewinnst du viele neue Erkenntnisse hinzu. Du erweiterst deine Wahrnehmung und zeigst Offenheit. Gerade diese neue Sichtweise ermöglicht eine kreative Lösung.

 

Die Welt ist dreidimensional

Für kreative Lösungsfindungen gibt es sogar eine eigene Technik: Die Kopfstandtechnik. – Dazu muss man nicht sportlich sein, sondern einfach die Dinge mal auf den Kopf stellen. Denn unsere Welt ist dreidimensional – zumindest so, wie wir sie wahrnehmen können.

Ich stelle dir im Folgenden eine Übung an einem Beispiel vor, die du immer wieder abwandeln kannst und für verschiedene Konflikte anwenden kannst. Ich benutze sie gerne für mich selbst und wende sie oft im Coaching an, um Lösungen zu finden.

„Aus verschiedenen Blickwinkeln auf eine Sache / einen Konflikt zu schauen, ermöglicht immer neue Erkenntnisse und lässt es in einem anderen Licht erscheinen. Man entdeckt immer wieder neue Details, die einem vorher gar nicht aufgefallen sind, oder man sie gar nicht sehen konnte.“

 

Die Übung, die ich dir gleich beschreibe, ist an die Methode NIG (Neuro-Immaginatives Gestalten) angelehnt.

 

Und so funktioniert es….

Nehmen wir das (frei erfundene) Beispiel von Anton:

Anton mag das Fach Biologie so überhaupt nicht. Interessiert ihn nicht, hat keinen Bock drauf zu lernen, ist immer unvorbereitet, träumt sich in den Stunden sonst wo hin und erntet dementsprechende Noten! – Damit versaut er sich seinen kompletten Schnitt und noch dazu gefährdet die Bionote sein Weiterkommen, weil Französisch auch nicht so wirklich läuft! Noch dazu mag er den Lehrer nicht (eine häufige, erschwerende Kombination).

Biologie ist ein Nebenfach und eigentlich kann man das lernen, um einigermaßen die Note zu halten. Doch dazu kann Anton sich so gar nicht aufraffen…

Anton malt eine Skizze mit Wachsmalkreiden für das Fach Biologie. Diese legt er mitten im Zimmer auf den Boden. Dann stellt er sich ein Stück weit entfernt hin und lässt das Bild auf sich wirken. Er betrachtet es aus seinem aktuellen Blickwinkel; seine Sichtweise auf Biologie ist:

  • Es macht keinen Spaß
  • Ist langweilig
  • Wozu brauch ich das?
  • Wen interessiert das?
  • Ich versteh das eh nicht
  • Kann mich nicht aufraffen dafür zu lernen

Dann stellt er sich auf die andere Seite des Bildes und betrachtet es einmal aus einem ANDEREN Blickwinkel – was verändert sich? Ihm fallen jetzt diese Dinge ein:

  • Biologie ist ein Nebenfach
  • Es vermittelt Grundlagen aus der Natur
  • Ich muss es ja nicht studieren
  • Ich muss den Lehrer ja nicht unbedingt mögen
  • Manche Themen sind schon interessant
  • Meine Ablehnung versaut mir die Note

 

Ups… ganz schön gegensätzlich, oder? – So gegensätzlich wie der Standpunkt im Zimmer!

Anton hat sich diese Gedanken auf Zettelchen aufgeschrieben und zu den jeweiligen Standpunkten gelegt.

 

Noch ein Schritt

Nun verändert er noch einmal die Position, in dem er sich einen möglichst weit entfernten und neutralen Platz im Zimmer sucht. Von dort aus überlegt er, wie er die beiden Standpunkte zusammen bringen kann und was er in Zukunft machen möchte. Bevor er das jedoch macht, denkt er an ein Fach, das er mag, das ihm leicht fällt und für das er auch gerne und erfolgreich lernt. In seinem Fall ist das Chemie. Das fasziniert ihn wirklich. Sofort fühlt er sich anders. Leichter, glücklich, motiviert, neugierig…. Und da fallen ihm jetzt auch einige Dinge für Biologie ein:

  • Biologie ist ja ein bisschen mit Chemie verwandt
  • In der nächsten Stunde pass ich mal auf. Ich werde mich auf das Thema und nicht auf den Lehrer konzentrieren.
  • Ich bereite mich auf die Stunden vor, in dem ich am Abend vorher einfach schaue, was wir in der letzten Stunde gemacht haben.
  • Ich schau mal, ob ich im Internet noch Informationen oder Dokumentationen über die Themen finde – vielleicht versteh ichs da leichter als bei…. 😉
  • Biologie ist ja eigentlich Allgemeinwissen – da kann ich besser mitreden, wenn ich davon was weiß…

Na, das sind doch mal Aussagen… Außerdem überlegt er sich, warum er einem so „doofen“ Fach erlaubt, das Jahresziel in Frage zu stellen!

 

Die Welt wird wirklich interessant

Auch wenn das Beispiel frei erfunden ist, habe ich schon viele solcher ähnlichen Ergebnisse erlebt. Probier es mal aus…

Die Welt ist das, was DU daraus machst! Klick um zu Tweeten

 

Du hast die Wahl, dich als „Opfer“ zu sehen und ergibst dich deinem „Schicksal“ oder du nimmst es selbst in die Hand und änderst deine Sichtweise. Du kannst nur gewinnen, denn die Welt ist interessant. Manchmal muss man nur genauer hinsehen und den Sinn und Zweck für sich selbst finden. Und du musst ja nicht unbedingt zum absoluten Fan werden, aber immerhin kannst du etwas verändern, das dich nicht am Erfolg hindert!

Diese Methode kannst du wirklich für viele Konflikte (in dir und außerhalb) anwenden!

 

Für Eltern und andere Erwachsene – Eine spannende Sache, den Blickwinkel zu ändern

Möchten Sie es auch einmal ausprobieren? Wenn es sich um ein Thema zwischen Ihnen und Ihrem Kind handelt, könnten sie es auch gemeinsam machen und so das Thema mal „auf den Tisch“, bzw. Boden bringen und gemeinsam daran arbeiten und die jeweilige Sichtweise austauschen. Vielleicht tauschen Sie dann einfach mal die Plätze und werden erleben, wie es plötzlich aus den „anderen Augen“ aussieht und sich anfühlt…

Begleiten Sie Ihr Kind in diesem Prozess und reflektieren Sie mit ihm weitgehend neutral. Ihre Sichtweise können Sie als genau SOLCHE, aber nicht als Ratschlag einbringen. Das lässt Ihrem Kind die Freiheit, diese Aspekte in das zukünftige Handeln einzubringen. Ratschläge werden – gerade in Konfliktsituationen – ja prinzipiell erst einmal abgelehnt!

 

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