Lernprobleme – und jetzt?

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Lernprobleme?

Lernprobleme – wird jetzt noch etwas aus meinem Kind?

 

Die Antwort möchte ich gleich vorwegnehmen: Wenn Sie Ihrem Kind jede Unterstützung geben, und vor allem den Glauben an ihr Kind nicht verlieren, dann kann Ihr Kind alles erreichen.

Kinder mit Lernproblemen sind weder dumm noch faul. Sie sind anders, arbeiten oft langsamer und brauchen andere Ansätze. Oft können Lehrer in der Schule auf diese Kinder nicht richtig eingehen, die Ursachen dafür sind sehr vielfältig. Sie beginnen mit der schlechten Ausbildung, den großen Klassen, der fehlenden Didaktik, den fehlenden Lehrern …

faul = Lernprobleme?

 

Niemand hört gerne, dass er faul ist!

Für Kinder ist es sehr schlimm, wenn sie vielleicht sogar zu Hause hören müssen, sie wären ja nur faul, sie würden sich nicht richtig anstrengen. Doch, sie strengen sich an und sie wollen lernen. Jedes Kind will von Natur aus lernen. Doch wenn das Kind merkt, dass es schlechter und langsamer lernt als andere, ist es schnell frustriert. Das führt dazu, dass sie Ängste aufbauen, vor allem vor dem Versagen. Wenn das Lob ausbleibt, verlieren sie nicht nur die Freude am Lernen, sie verlieren die Neugierde, das Selbstvertrauen und hören auf, sich anzustrengen. Ein Teufelskreis, aus dem sie nur mit Hilfe wieder herauskommen.

„Viele Eltern stehen dem Problem hilflos gegenüber, denn klar, sie wissen ja nicht, wie sie ihrem Kind am besten helfen sollen.“

 

Das Wichtigste ist – verlieren Sie nie den Glauben an ihr Kind. Machen Sie keinen Druck! Und räumen Sie erst einmal mit Ihren eigenen Gedanken auf. Wenn sie sich Sorgen darum machen, was irgendwann mal aus ihrem Kind wird, wenn sie beim Üben explodieren, wenn sie meckern und merken, dass sie selber unter Druck stehen, dann müssen Sie das ändern. Denn Ihr Kind merkt das, kann es aber nicht richtig interpretieren. Es versteht noch nicht, dass es Ihnen um die Zukunft des Kindes geht. Kinder können so weit weder denken, noch begreifen, dass es um irgendetwas irgendwann geht. Sie leben im Hier und Jetzt und möchten jetzt geliebt werden wie sie sind.

 

Was nicht hilft – und was statt dessen

Oft wird empfohlen, viele Diktate mit dem Kind zu schreiben. Das ist ein sehr schlechter Rat. Diktate sind in meinen Augen dazu da, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern nachhaltig zu zerstören oder zu belasten. Diktate sind tatsächlich auch nur Momentaufnahmen dessen, was ein Kind kann. Das sind Kontrollen, nichts weiter. Ein Kind lernt dabei nichts. Oft verstärken sich die Lernprobleme dadurch noch. Viel besser sind Silbenübungen, Ableitübungen und das Aufarbeiten der Regeln.

Ich lasse die Kinder erst einmal die Silben klatschen. Das Wort Tomate hat drei Silben. Nun schreiben die Kinder die Silbenbögen.

Dann ermitteln wir die Selbstlaute und schreiben diese auf die Silbenbögen.

Erst jetzt dürfen die Kinder die Silben darunterschreiben.

Die Silben zu erforschen, die langen und kurzen Selbstlaute herauszufinden und was dann mit den Silben passiert, das ist wichtig und bringt schon sehr viel.

Abschreibübungen bringen übrigens gar nichts, außer Frust beim Kind! Klick um zu Tweeten

 

Thema Lesen

Ein weiterer Fehler wird sehr oft beim Lesen gemacht. Vielen Kindern wird das Lesen regelrecht vermiest! Auch hier kommt oft der falsche Rat – die Kinder müssten jeden Abend vor dem Schlafen lesen. Eltern meinen, wenn sie abwechselnd lesen, wäre das ja nicht so schlimm. Ich empfehle: Abends lesen die Eltern vor, und nur die. Denn das abendliche Vorlesen bringt Nähe, die Neugierde auf neue Geschichten und bringt die Freude am Lesen.

Das Üben des Lesens sollte irgendwann am Nachmittag geschehen. Auch hier sollten Sie mit Silben beginnen und ganz einfachen Leseübungen. Es gibt Bücher, in denen sind die Silben bunt markiert. Das ist eine sehr gute Hilfe und sehr zu empfehlen.

 

Können Eltern zu viel helfen?

Sehr oft wird den Eltern vorgeworfen, sie würden ihren Kindern zu viel helfen oder zu lange helfen. So lange Ihr Kind die Hilfe benötigt, so lange sollten sie ihm helfen. Es wird trotzdem irgendwann selbstständig. Es kann nicht selbstständig werden, wenn es Probleme beim Schreiben oder Rechnen hat und ihm die Hilfe versagt wird. Ich habe meinen Kindern bis zum Schulabschluss geholfen und auch ab und zu während des Studiums. Warum auch nicht?

Ich möchte zum Schluss darauf hinweisen, dass der Weg zum Studium nicht immer geradlinig sein muss. In Deutschland kann ihr Kind jeden Schulabschluss auch später nachholen. Manche Kinder reifen erst später, werden später schulreif. Diese brauchen dann mehr Zeit, mehr Unterstützung und Geduld. Wichtig ist die Gesundheit des Kindes, dass es den Mut nicht verliert, und nicht das sofortige Erreichen des Abiturs.

 

Lernprobleme anders sehen

Jedes Kind kann das Lesen und Schreiben lernen. Auch die Jugendlichen und Erwachsenen können es noch lernen. Das zu wissen, das ist in meinen Augen sehr wichtig. Denn es gibt viele, die glauben, dass es später nicht mehr möglich ist. Sie geben sich auf und denken, dass sie nun ein Leben lang diese LRS oder Rechenschwäche haben müssen. Das ist jedoch nicht so. Jeder kann es lernen! Leider lese ich oft solche Parolen: „Eine Legasthenie hat man ein Leben lang!“

Eine LRS oder Legasthenie ist weder eine Krankheit noch muss man sie ein Leben lang haben. Ich persönlich habe schon vielen Erwachsenen geholfen. Das Schönste daran ist, dass sie sich sehr verändert haben, ihr Selbstbewusstsein, ihr Selbstbild hat sich sehr zum Positiven verändert.

„Geben Sie nicht auf! Glauben Sie an sich und Ihr Kind!“

 

August 2018, ein Gastbeitrag von Sabine Omarow

Sabine Omarow ist eine geschätzte Kollegin aus Paderborn, die Kinder und Erwachsene mit sehr viel fundiertem Wissen, Liebe und Engagement unterstützt. Sie hat einen Online-Kongress zum Thema „LRS“ veranstaltet – der nächste ist in Planung. Natürlich ist sie auch bei facebook zu finden. Außerdem ist sie Autorin mehrerer Bücher.

 

 

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